... Als das Bautzener Land zum Königreich Ungarn gehörte ...


zusammengestellt von J. Zieschang


Im Jahr 1458 wurde "Matthias I. Corvinus" zum ungarischen König gewählt und trat damit die Nachfolge von "Ladislaus V." an. Auch der damalige deutsche "Kaiser Friedrich III." erhob Ansprüche auf den ungarischen Thron, -aber erkannte im Jahre 1462 "Matthias I. Corvinus" als König von Ungarn an.
M.C. wurde am 23. Februar 1443 als Sohn des späteren Reichsverwesers "Janos Hunyadi" in Klausenburg (heute: Clui Napoca in Rumänien) geboren.

Ebenfalls wird 1458 der Statthalter " Georg Podiebrad" zum König von Böhmen gewählt. Er ist damit Herr der beiden Lausitzen, der Ober- und der Niederlausitz. "G.P." wurde am 6. April 1420 in Podebrady ( Böhm.) geboren. Als hussitenfreundlicher Herrscher wird er am 23. Dezember 1466 vom Papst "Paul II." geächtet. Noch 1462 war dem böhmischen König "G.P." bei seinem Aufenthalt in Bautzen durch die Vertreter der Stadt gehuldigt worden. Als er jedoch seine Königswürde verliert, kommt es am 8. Juni 1467 zum Absagebrief durch die sechs Städte des Lausitzer Sechs-Städtebundes.

1469 übernimmt der ungarische König "M.C." das Markgrafentum Oberlausitz, der vom Papst, von den böhmischen Ständen und den Widersachern "G. Podibrads" als böhmischen König erwählt wurde. Die Huldigung durch die Vertreter der Oberlausitz, also auch die Bautzener erfolgte noch 1469 auf Forderung des Königs in Breslau.

Als am 22. März 1471 "Georg v. Podibrad" in Prag stirbt, wird der Jagiellone "Prinz Wladislaus von Polen" zum König von Böhmen durch die Böhmen gewählt. In den nun folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Matthias und Wladislaus steht die Oberlausitz auf der Seite des ungarischen Königs "M.C." . 1476 kommt es zu einem Waffenstillstand, dem 1479 der " Friede von Ollmütz" ( heute: Olomouc in Mähren ). Darin wird festgelegt, dass "M.C." Schlesien, Mähren und die beiden Lausitzen behält und "Wladislaus" Böhmen. Für die Zukunft gilt aber: Beim Todesfall eines der beiden Könige fallen die Ländereien des Verstorbenen dem noch lebenden zu!

Schon im Jahr 1474 besuchte der ungarische König "Matthias Corvinus" das Zentrum der Oberlausitz, die Stadt Bautzen und fand rechten Gefallen an ihr. Bautzen erhielt mehrere Privilegien, natürlich gegen entsprechende Bezahlung ( 736 ungarische Gulden ).
Während seines Besuches traf er sich durch die Vermittlung des Kurfürsten "Ernst von Sachsen" mit dem polnischen König "Wladislaus", um Streitigkeiten zu beseitigen.
Im selben Jahr verlangt "M.C." eine Extrasteuer in Höhe von 2000 ungarischen Florins von der Oberlausitz zur Bestreitung seiner Kriegskosten. Durch Entsendung von Truppen zur Unterstützung des Königs entstanden natürlich der Oberlausitz und der Stadt Bautzen auch noch Unkosten. So hatte schon 1470 die Stadt Unkosten von 630 Schock Groschen zu tragen.

Im Jahr 1481 setzt der König "M.C." den Hauptmann von Jauer und Schweidnitz " Georg von Stein" als Landvoigt in der Oberlausitz ein. Mit ihm setzten bis 1490 Jahre voller Drangsale für die Oberlausitz und für Bautzen ein. Im Gegensatz zu den Interessen des Stadtrates von Bautzen ließ er von 1483 bis 1486 das Schloß "Ortenburg" aufbauen. So entstand 1486 die Äldikula mit dem Sitzbild des ungarischen Königs "Matthias I. Corvinus" ( sh.: MCCCC LXXX VI ) über der Tordurchfahrt des Schlossturmes, auch " Matthiasturm" genannt, durch B. Gauske.

Das Wirken im Sinne des Königs und gegen die Interessen der Stadt Bautzen machte Georg von Stein zu einem in der Lausitz gehassten Mann. So klagte der Landvogt v. Stein den Bürgermeister von Bautzen "Bathasar Pretsch", genannt "Steinchen", an, und dieser wurde zum 29. Juni 1485 vor den König geladen. Eine zweite Aufforderung, zum 14. September zu erscheinen, missachtete Pretsch ebenfalls.
Daraufhin erschien 1486 eine königliche Kommission und verlangte Pretsch aus der Stadt zu weisen.
Alleingelassen verließ wenig später Pretsch die Stadt Bautzen. Der Oberlausitz wurde gegenüber dem König Ungehorsam vorgeworfen, ebenso auch Bautzen. 1488 wurde Pretsch wieder als Bürgermeister eingesetzt.

Als am 6. April der ungarische König " Matthias I. Corvinus" in Wien ohne legitimen Erben starb, kamen die beiden Lausitzen, also auch das Bautzener Land, nach den Bestimmungen des Ollmützer Friedens zu Böhmen zurück!

Zur Huldigung des neuen Herrschers " Wladislaus" , König von Böhmen und nun auch von Ungarn, wurden der Bürgermeister Pretsch, die Räte Franke,Gerhold und Engelberg und der Stadtschreiber Neumann nach Prag gesandt.

Somit war das Bautzener Land genau wie die Oberlausitz vom Jahr 1469 bis zum Jahr 1490, also 21 Jahre, Bestandteil des ungarischen Großreiches, welches nach dem Tode des Königs "Matthias I. Corvinus" verfiel.

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