... Zur Geschichte von Großpostwitz ab 1945 bis 1956 ...


Text und Bilder von franz friedrich


Nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht (7./9.5. 1945) und der vollständigen Besetzung Deutschlands durch die alliierten Streitkräften, wird am Mittwoch 9. Mai um 0.16 Uhr in Berlin-Karlshorst von Generaloberst Hans-Jürgen Stumpf, Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel und Generaladmiral Hans Georg von Friedeburg die Unterzeichnung der Urkunde über die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches wiederholt. Anwesend sind außerdem Sowjetmarschall Schukow und Air Chief Marshal Tedder. Hermann Göring stellt sich den US-Amerikanern. Im Laufe der nächsten Tage wird eine Vielzahl führender NS-Politiker und Militärs verhaftet.

Die im Januar 1945 einsetzende Winteroffensive brachte die Rote Armee innerhalb kurzer Zeit bis nach Schlesien und Pommern. Über 5 Millionen Deutsche, vor allem Frauen und Kinder waren auf der Flucht.

Die ersten Flüchtlingsströme aus Schlesien und Sudetenland, sowie aus dem gesamten Osten kamen durch Großpostwitz , einige blieben und fanden in dem schönen Dorf in der Oberlausitz ihre neue Heimat.

Bildquelle: Bertelsmann Lexikothek

Montag 1.Oktober 1945: Der Schulunterricht beginnt wieder in der ganzen SBZ,(sowjetische Besatzungszone).

Linolschnitt von Carl Franke

In den ersten Herbsttagen 1945 konnte auch in der Lessingschule Großpostwitz der Schulbetrieb mit 6 Lehrern ,wieder aufgenommen werden. Etwa zum gleichen Zeitpunkt begann auch der Schulbetrieb in der Lutherschule Großpostwitz.

In den Jahren nach 1945 bis etwa 1949 litt die Bevölkerung von Großpostwitz sehr durch die entstandenen Kriegsfolgen . Die Flüchtlingsströme und Vertreibungen aus dem Osten hielten weiterhin an. Flüchtlinge und die vertriebenen Deutschen aus Ungarn vergrößerten die Einwohnerzahl von Großpostwitz.

Am Donnerstag 18. März 1948: wurden 16 Familien mit ca. 51 Personen, aus Ungarn, über das große Kriegsgefangenenlager und Flüchtlingslager Pirna/Sachsen nach Großpostwitz eingewiesen. Im Güterzug siehe Foto, ähnlich wie im Holocaust, wurden die Menschen in einer 4 Tagesfahrt aus der Tolnau/Ungarn über Budapest, Prag ,Karlsbad nach Pirna/Sachsen transportiert.

Unter den Familien die aus Kismányok, Izmény, Kisdorg, Majos und Kocsola aus dem Komitat Tolna, (auch schwäbische Türkei genannt), befand sich auch meine Familie: Vater, Mutter und ich, ich war damals im 7. Lebensjahr.

Bildquelle: Bertelsmann Lexikothek

Am Anfang nahm die Großpostwitzer Bevölkerung die deutschen Vertriebenen aus Ungarn und die Flüchtlinge aus Schlesien und Sudetenland mit großer Skepsis und manchmal nicht gerade freundlich auf. Es gab aber auch Frauen und Männer, die sich freundlich und unermüdet für die neuen Bürger von Großpostwitz einsetzten, um es menschlich erträglicher zu machen, denn die Hungersnot und Wohnungsnot war groß.

An dieser Stelle sei von mir Dank zu sagen an Frau Linda Rülicke, Fam. Urban und Bauer- Lorenz aus Großpostwitz.

Nach meinen Recherchen leben heute von den damals 16 Familien nur noch 3 Familien in Großpostwitz. Viele übersiedelten in die Bundesrepublik Deutschland, 1 Familie zog es wieder vor nach Ungarn zu gehen( Fam. Kiefaber) ,2 Familien nach Bautzen, 1 Familie nach Plauen. Ich zog es vor nach Jöhlingen bei Karlsruhe zu meiner älteren Schwester um zu ziehen.

Am Donnerstag 1. September: Nach den Wahlen erhielt Großpostwitz den ersten Bürgermeister nach dem Kriege Paul Büttner. Ihm standen 17 Gemeindevertreter zur Verfügung. Am 30. Juni 1950 wurde die Gemeinde Ebendörfel zu Großpostwitz eingemeindet, die Einwohnerzahl erhöhte sich dadurch auf 2222 ????.

Am Freitag 7. Oktober 1949: wurde die DDR gegründet.

In den Jahren 1951 bis 1954 war ein reges gesellschaftlich pulsierende Leben in Großpostwitz zu verzeichnen.
Auch die Familie Friedrich hatte sich inzwischen in das Dorfleben integriert,. Das untenstehende Foto zeigt meine Eltern, meine 1948 in der SBZ geborene Schwester Erika und mich.
Einige Baumaßnahmen wurden vorgenommen, im Spreetal wurden dann 1956 neuen Wohnungen gebaut.

Bildquelle: Franz Friedrich

Im April 1951 waren es 8 Lehrer, die an der Lessingschule unterrichteten. Leider sind bis auf einen Lehrer, Martin Klingst, der mir dieses schöne Bild zur Verfügung gestellt hat, alle verstorben.

Bildquelle: Martin Klingst

Am 17. Juni 1953 erlebte man den Volksaufstand der DDR (Bild) ohne größeres Aufsehen und Unruhen in Großpostwitz.

Bildquelle: Franz Friedrich

Ein Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens war das am 4.Juli 1954 25 jährige Bestehen der Lessingschule, mit Umzügen und großem Festakt gefeierte Schulfest.
Die damaligen Lehrer der Lessingschule waren die Hauptorganisatoren für diesen schulischen Höhepunkt und Orts Höhepunkt an diesem Tage.
Am gleichen Tage fand das Fußballendspiel in Bern, Ungarn gegen Deutschland statt. Auf dem Schulhof wurde das Spiel über Lautsprecher übertragen.
Das Spiel endete 3:2 für Deutschland. Heute nennt man es "Das Wunder von Bern".

Aus der Lessingschule Großpostwitz wurde im laufe der Jahre eine Mittelschule, im Jahre 2004 hat die Schule ihren 75. Geburtstag . Leider wird man im Jahre 2029 das 100 jährige Jubiläumnicht feiern können, da die Schule in den nächsten Jahren geschlossen werden soll.
Termin 31. Juli 2005!
Diese Maßnahme des Kultusministerium Sachsen, ist keine gute Sache, doch leider nicht mehr rückgängig zu machen. Die Einwohnerzahl Großpostwitz : Stand 2000 zählte 3.210 Bürger.

Hier enden meine geschichtlichen Erzählungen und Erlebnisse. Mir war es ein Wunsch und Bedürfnis, Ihnen liebe Leser Einiges von den Jahren 1945 bis 1956 , aus der Sicht eines Vertriebenen , zur geschichtlichen Chronik von Großpostwitz ein zu bringen. Ein weiteres zu berichten , aus meiner schönen Schulzeit, und was ich von den Lehrern gelernt , natürlich auch nachgelesen habe, für die Nachwelt, hier nieder zu schreiben.


Im März 2004


Franz Friedrich

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