... Die evangelische Kirche Großpostwitz ...

An der Stelle, an der Johann Röhrscheidt 1606 eine vermutlich hölzerne Kirche errichtete, entstand in den Jahren 1726- 32 eine neue Kirche mit steinernem Turm. Schon 1755 mußte sie um die Hälfte verlängert werden, um den Christen ausreichend Platz zu gewähren. 1893 erhielt die Kirche nach einer erneuten Vergrößerung ihre heutige Form. Nun bietet sie 1300 Besuchern Platz. Der ca. 60 Meter hohe Turm wurde zum Wahrzeichen für Großpostwitz. Viele können sich noch an die Renovierungsarbeiten in den 1970er Jahren erinnern.



Die Kirchenchronik von Großpostwitz

erzählt von Franz Friedrich


In der alten sächsischen Kirchengalerie wird die Parochie und das Kirchendorf mit Großpostwitz bezeichnet. Ein unbekannter Mönch namens Jacobus, steht in einer kleinen Urkunde die im Domstiftsarchiv zu Bautzen verwahrt ist.
Ihr Inhalt betrifft die Schenkung einer Hufe Landes im Flur Wartha am Johannistag 1331.

Das Kirchendorf "Postwitz" ist sehr alt, früher Bustewitz genannt im Jahre 1331, davor und früher sind mir keine Beschreibungen bekannt. Dieser Ort Bustewitz besaß bereits eine Kirche und einen plebanus Volksprediger, Herr Jacobus Priester in Postwitz,("dominus Jacobus plebanus in Bustewitz")

Bezüglich der Einführung der Reformation Luthers in Postwitz, wurde behauptet, das Postwitz unter allen Wendisch-Deutschen Gemeinden diejenige sei, die sich zuerst der Reformation zuwandte und lutherisch wurde. Man erzählt weiter das schon 1520 der Pfarrer Paul Bossack das Evangelium in lutherischer Weise predigte und bereits 1522 seinen Pfarrkindern das Heilige Abendmahl unter beiderlei Gestalt reichte.

Zu der Zeit als Paul Brossack in Postwitz das Heilige Abendmahl unter beiderlei Gestalt angefangen hatte, entrüstete sich über ihn der damalige Pfarrer in Cunewalde so sehr, dass er beschloss, seinen neuen Amtsgenossen in der Nachbargemeinde umzubringen.
Eines Sonntags früh reitet er fort, um seinen Entschluss aus zu führen. Auf der Anhöhe kurz hinter Halbendorf aber, wo er Postwitz bereits sehen konnte, stürzt sein Pferd, er fällt und bleibt tot liegen. In der Tat liegt auf der Anhöhe zwischen Halbendorf und Eulowitz an der Straße auf einem mit Linden bepflanzten Rundteil ein jetzt zu einer Bank benutzter großer Granitstein, auf dem noch nicht entzifferte Schriftzeichen eingemeißelt sind. In der handschriftlichen Chronik von Bautzen wird die Erzählung etwas anders berichtet:

Zur Zeit, als in der Lausitz das Evangelium schon mächtig wurde und die Leute nicht mehr zur Katholischen Messe gehen wollten, war in Cunewalde ein Katholischer Priester. Dieser ereiferte sich ganz entsetzlich gegen Luther und sein Werk und rief eines Tages in unbändigem Zorn von der Kanzel herab; "Wenn des verfluchten Ketzermeisters Luther Wort und Lehre wahr sei, so solle ihn der Donner erschlagen. Kaum hatte er es ausgesprochen, so zog ein schweres Gewitter am Himmel auf. Die Leute flohen aus der Kirche. Der Pfarrer stieg von der Kanzel und wollte auf seine Pfarre gehen, aber ehe er nach Hause kam, traf ihn ein Blitzstrahl und töte ihn . Solches geschehen 1537 zu Festo-Trinitatis.

Es ist anzunehmen, das die neue Lehre lange mit heftigen Anfeindungen zu kämpfen hatte. Im Jahre 1496 ging eine furchtbare Pestkrankheit durch die Oberlausitz, auch in Eulowitz war die Pest sehr schlimm, es starben alle, nur Paul Kral und seine Schwester blieben am Leben. Eulowitz gehörte schon damals zum Postwitzer- Kirchenspiel und noch mehreren Gemeinden.

Heute gehören zum Großpostwitzer Kirchenspiel 25 Gemeinden. Die Parochie Postwitz war ursprünglich nicht so groß.
Von Anfang an gehörten zu ihr Postwitz ,Bederwitz, Heinitz, Rascha, Berge, Rodewitz, Ober und Nieder Eulowitz und Denkwitz. Später schlossen sich die 1598 resp. 1632 zerstörte und nicht wieder aufgebaute Katholische Mönchskirche und Nicolei gehörenden Dörfer Binnewitz, Mehlteuer, Pielitz,Supo, Halbendorf, Cosel , Döhlen, Grosskunitz, Lehn, Gross- und Kleindöbschitz an, während die Evangelischen Bewohner der in Katholischen Kirche zu unserer Liebfrauenkirch in Bautzen eingepfarrteten Dörfer Mönchswalde, Ebendörfel und einen Teil von Singwitz und die meisten Bewohner der eingepfarrten Dörfer Schwarznaußlitz und Obergurig und einige Bewohner von Kirschau, Klein Postwitz,Kallenberg, Jesnitz sich zur Mutterkirche Postwitz hielten.


Die Geistlichen die seit der Reformation in Postwitz waren.


1.

Johann Neumann

2.

Matthäus Dobry


3.

Michael Schwoch, er war Pfarrer von 1596 bis 1652 .
4.

Martinus Märei

5.

Michael Frentzel von 1663 bis zu seinem Tode 29.6.1706

6.

Johann Böhmer

7.

Johann Böhmer, geboren in Postwitz 1710. 1740 wurde er zum Substitut seines Vaters berufen. Er starb 1779 er war der Schwiegervater des Michael Clauser aus UNGARN


8.

Der 8. Pfarrer in Postwitz war: Michael Clauser geboren der Bergsatdt Schemnitz im Honter-Komitat in Ober-Ungarn 1740, jedenfalls slowakischer Nationalität. Ein Schein der Romantik umleuchtet seinen Namen. Er kam im 7 jährigen Kriege 1758 als Österreichischer Rittmeister ins Quartier auf die Pfarre in Postwitz. Hier sah er die schöne Pfarrerstochter, nach Beendigung des Krieges kehrte er nach Postwitz zurück und bat den Pfarre um die Hand seiner Tochter. Doch der Vater entgegnete: "nur ein Geistlicher erhält meine Tochter als Ehefrau. Kurz entschlossen zog der Offizier nach Leipzig um Theologie zustudieren. Nach vollendetem Studium erhielt er 1778 die Pfarre in Klein-Bautzen, und dann auch die Postwitzer Pfarrerstochter. 1779 wurde er Substitut seines Schwiegervaters und nach dessen Tod sein Nachfolger. Er starb 1799. Er hatte die militärische genaue Ordnung bei dem Opfergange der Gemeinde um den Altar an den hohen Festtagen eingeführt, dass hielt hundert Jahre ohne Unterbrechung um dort ihre Opfer hinzulegen. Diese Sitte blieb bis zum Jahre 1877.

9.

Der 9.Pfarrer war Ernst Benjamin Böhmer

10.

Karl Gottlieb Marloth

11.

Andreas Broske

12.

Johann Hermann Mrosack

13.

Franz Moritz Domaschke geb. 1862 im Pfarrhaus zu Nostitz 1892 wurde er Diakonus in Kittlitz und 1898 Diakonus in Göda. 1902 wurde er als Pfarrer in Postwitz eingewiesen. Eine Hilfsgeistlichenstelle wurde begründet der letzte Diakon war

14.

Johann Georg Zischank seit Dezember 1904 . Soweit ist die Kirchengeschichte abgedruckt und beschrieben. Zu bemerken ist noch, wie unsicher sich die Gemeinden in dem Besitze der lutherischen Lehre fühlten, beweist die an den Böhmischen König Mathias gerichtet Bitte des Postwitzer Pfarrers M. Schwoch. Am 3.September 1611 wurde dieser König von den Ständen der Oberlausitz auf seinem Zuge nach Bautzen in Postwitz festlich begrüßt. Im Pfarrgarten wurde ihm ein Mittagmahl bereitet, vor welchem der Pfarrer Schwoch das Tischgebet sprach. Der König fand Wohlgefallen daran und forderte den Pfarrer auf, sich eine Gnade von seinem König zu erbitten. Dieser erbat sich als höchste von ihm ersehnte Gunst, das der König der Postwitzer Kirchengemeinde den Gebrauch des Abendmahlkelches lassen wolle, was auch zugesagt wurde.
Die Oberlausitz gehörte bis 1635 an das Böhmische Königreich, danach wurde sie an Sachsen angeschlossen.
Bemerkenswert ist , dass das kleine Ratsdorf Postwitz 1807 das Groß vor seinen Namen setzt, eine Reihe bedeutender wendischen Persönlichkeiten hervorgebracht hat, deren Wirken in die Geschichte einging. Michael Frentzel , sein lebendiges Nationalbewußtsein beflügelte ihn die Bibel für das Wendische Volk (Sorben) in seine Muttersprache zu übersetzen. Zu erwähnen sei der Naturwissenschaftler Michael Rostock und Karl August Katzer Komponist.
Die Gottesdienste wurden bis in den 60er Jahren in der DDR-Zeit noch in Deutsch und Wendischer Sprache in der Postwitzer Kirche gehalten, von dem begabten , unermüdeten Prediger, Pfarrer Rösler. Als Schüler habe ich von Pfarrer Rösler sehr viel gelernt. Meine Konfirmation im Frühjahr 1956 wurde vom Pfarrer Rösler zur Kirche in Großpostwitz vollzogen.

15.

Pfarrer Helmut Rösler verstarb am 28.2.1968

16.

Pfarrer Traugott Lange ab 1969

17.

Pfarrer Kästner seit 10.8. 2003

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